(17) Neid - der Vergleich mit anderen

 

Ich kenne wirklich kaum einen Menschen, der ihn nicht schon einmal selbst empfunden hat. Ich weiß nicht, wie sich der Neid dabei für dich anfühlt. Jeder würde ihn ein wenig anders beschreiben. Aber ich für mich kann sagen, dass er ein Gefühl von negativem Beigeschmack hat, der im Abgang einen Gerechtigkeitssinn in uns hinterlässt.

Trotzdem bleibt der Neid negativ und ist dies auch nur, weil wir uns in einem Mangeldenken befinden. Wir glauben daher, dauerhaft einen Mangel zu haben. Oder gar noch – ein Mangel zu sein. Doch der wirkliche Mangel versteckt sich meist nur im Selbstwert. Er ist der absolute Dauergast im Hause "Mangeldenken".

 

Gestern saß ich auf meiner Couch vor dem Fernseher. Gerade lief eine Werbung für eine Kosmetikfirma, in der eine wunderschöne, makellose Frau, aus einem teuren Mercedes ausstieg.

Tolle Figur, 90-60-90 Maße. Lange Beine. Null Cellulite. Glänzendes, zu einem Zopf hochgebundenes glattes, honigbraunes Haar. Körbchengröße B. Schlanke Arme, flacher Bauch und einen tollen Hintern. Verpackt in ein hautenges metallicgrünes Kleid.

Die Kamera zoomte nah an ihr Gesicht heran, und stellte ihre langen Wimpern und ihr perfektes Make Up zur Schau. Sofort sprang mein Selbstwert an und suchte nach meinen Mängeln, indem ich mich mit ihr vergleich. Aber alles was ich in diesem Moment dachte, war: »Wow. Warum zum Geier sehe ich nicht so aus?« Tzja. Die Antwort war einfach: »Weil ich nicht sie bin und vor allem: weil ich dieses Make Up noch nicht besitze ... und diesen Mercedes ...

Klar. Auch ich bin nicht doof. Aber bis hier hin war mir auch einleuchtend, dass dies extrem fern von jeder Realität war. Aber jap. Ich fiel auf die Illusion der gezielten Werbung herein und ließ mich total von ihr verzaubern. Trotzdem sprach diese Werbung etwas in mir an, dass meinen Selbstwert eine Augenbraue in die Höhe schießen lies. Und genau das war er - der Neid.

Gerade weil ich einst mit einem niedrigen Selbstwert zu kämpfen hatte, kannte ich das Gefühl des Neides auf diese wunderschöne, perfekte Frau mit ihrem teuren Mercedes und allem, was dazu gehört.

 

Aber wann genau beginnt Neid? Wann fängt er an und wo hört er eigentlich auf? Überleg doch mal, wann du zum ersten Mal Neid empfunden hast.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Neid.

Ich sehe die tolle Puppe noch genau vor mir, die eine Freundin von mir damals zu ihrem 5. Geburtstag geschenkt bekam. Ich erinnere mich, an das pinke Fahrrad einer Freundin, dass am Lenker so bunte Wimpel hatte (wie die an dem Fahrrad von Vada in dem Film MyGirl). An meine Freundin in der 5. Klasse, die bessere Noten in Mathematik hatte, als ich. An den Typ aus der 9. Klasse, der gerade seinen Führerschein hatte und ein Cabrio von den Eltern geschenkt bekam. An den besseren Abschluss. An die besseren Talente. An die tollere Ausbildung. Den besser bezahlten Job. An mehr Follower. Mehr Likes. Mehr Geld.

Neid begegnet uns direkt zu Anbeginn unseres Lebens und kann sich, wie sich wie ein aggressiver Schimmelbefall bis ins heute hindurchziehen. Den Neid kenne ich schon mein Leben lang. Aber nicht nur Menschen wie ich, die einen niedrigen Selbstwert hatten, bzw. haben, empfinden ihn.

Er ist ein Problem, welches sehr oft von der Gesellschaft geschaffen wird. Beinahe die ganze Welt ist auf Neid getrimmt oder eben von der Gesellschaft zu Neid erzogen.

 

Ein kleines Beispiel, mit dem ich NIEMANDEN angreifen oder verurteilen möchte: Influencer. Wie oft machen sie Werbung für ein Produkt, von dem du dann auf einmal denkst: »Das muss ich auch haben!« Und, »Oh, da gibt´s ja sogar einen Rabattcode dazu.«, »Die Influencerin ist mir sympatisch. Wenn sie das benutzt, kann es nicht schlecht sein.«Verlockend, nicht wahr? Genau das ist ein Teil des Jobs der Influencer.

Dabei wenden sie bloß das an, was es schon seit langer Zeit gibt. Die sog. Kommunikationspolitik, welche ein Instrument des Marketing-Mixes ist. Um genau zu sein, betreiben Influencer die moderne Art der Kommunikationspolitik. Dabei hat Marketing eine psychologische Wirkung. Sie gaukelt uns einen Mangel vor, den du nur mit Produkt A beseitigen kannst. Falls du dich erinnerst – ähnlich geht es dem Neid und dem Selbstwert. Beide befinden sich beinahe ständig im Mangel und versuchen diesen mit z.B. durch das Vergleichen mit anderen oder dem Produkt A zu lösen. Netter Einfall, aber das kann dich auf Dauer niemals glücklich oder glücklicher machen. Das bringt in diesem Beispiel höchstens den anderen etwas – nämlich Geld.

 

Mit dem Geld verhält es sich ähnlich wie mit dem Selbstwert und dem Neid. Auch bei Geld sind wir in einem Mangeldenken. Dabei geben wir dem niedrigen Selbstwert, dem Neid und dem Geld viel zu viel Kontrolle über uns. Unser denken und handeln, wird vom Neid beeinflusst und wir geben der makellosen Frau aus der Werbung, der Puppe, dem Fahrrad mit den Wimpeln am Lenker, den besseren Noten, dem Cabrio, dem besseren Abschluss, dem besser bezahlten Job und dem Geld eine falsche Bedeutung.

In uns wird immer der Neid verankert sein, wenn wir diesen materiellen Dingen die Bedeutung von Fülle und glücklich sein geben.

"Erst wenn ich viel Geld habe, dann werde ich glücklich sein."

"Erst wenn ... , dann ... "

Ich finde, das sind falsche Grundannahmen.

Sei dir bewusst, Geld wird einfach aus dem Nichts gedruckt und in Umlauf gebracht. Es existiert nur als ein Stück Papier mit einer Zahl darauf, die der Welt so wichtig ist, dass sie mehr danach trachtet es zu besitzen, als zu erkennen, was es wirklich ist. Bloß Papier, das einen hohen Neidfaktor besitzt und ein großes Mangeldenken erzeugt bzw. erzeugen kann …

 

"Geld regiert die Welt"

Ja. Dieser Satz kommt natürlich nicht von ungefähr. Aber auch er ist eine Illusion. Ebenso wie die Werbung, von der ich dir zuvor erzählte.

 

Lass einmal für eine Sekunde all die materiellen Dinge mal weg. Komm aus deinem Mangeldenken heraus und stell dir nur einmal vor, alles materielle, was Neid erzeugt, wäre neutral behaftet. Also neutral in seinem Wert und seiner Bedeutung. Dein Selbstwert, der Neid, das Geld usw. Du würdest so wie ich am Ende der Werbung auf der Couch sitzen, und erkennen, das Neid wirklich nur von einem Mangeldenken stammt, der entweder, gesellschaftlich beigebracht, erzeugt, oder im Falle des Selbstwertes falsch verankert ist.

Du befindest dich nicht im Mangel. Neid ist also gar nicht etwas, das von dir selbst - also nicht etwas, das von deiner Urform ausgeht. Du kommst nicht mit Neid zur Welt. Du kommst wundervoll und wertvoll zur Welt, in der dir nur gesagt wird, dass Neid nur mit einem Mangel existent sein kann. Oder, dass nur der Vergleich mit anderen wichtig ist und Macht alles ist, was du besitzen musst. Aber wie so oft, sage ich dir auch hier:

 

„Neid fühlt sich falsch an. Und was sich falsch anfühlt, kann auch nicht richtig sein.“

 

Du bist ein Wunder. Du bist wertvoll. Auch ohne Neid bist du du und dass, ist alles, was von großer Bedeutung ist.

 

 

Deine Lyn

 

Bei was hast du schon einmal Neid empfunden?

Wie bist du damit umgegangen?

Schreib es mir gern in die Kommentare

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Ich freue mich auf deine Antwort

 

 

 

 

 

 

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